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  • Krieg und Familienforschung: Dienstag, der 20. März 2012

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Auszug "Der Lenzgarten" Nr. 26 (Dez. 1914): Krieg und Familienforschung
« am: Montag, der 19. März 2012 23:38:01 »
Auszug "Der Lenzgarten" Nr. 26 (Dez. 1914), Seite 97 ff.:
Krieg und Familienforschung

Familienforschung kann nie etwas fertiges, vollendetes sein. Der Zukunft entgegen sprießt täglich neues Leben empor und die Vergangenheit ist unerschöpflich an Nachrichten über bisher unbekannte Ausläufer des Stammes.

Wohl kann einer vom Vater zum Urahnen zurück suchend seine Ahnenreihe leidlich weit verfolgen, wenn sie aus Männern besteht, die in ihrer Zeit oder doch in ihrem Wirkungskreise so beachtet wurden, daß die Geschichte ihr Kommen und Gehen festhielt.

Einmal aber endet jeder Familienforscher bei einem Ahnherrn, über dessen Herkunft keine Nachricht vorhanden scheint.

Wie breite, brückenlose Klüfte zerreißen die Kriege von 1806 bis 1813, der siebenjährige, vor allem der dreißigjährige des Forschers Pfad in die Vergangenheit. Der Werbetrommel folgten die überzähligen Söhne, vor feindlichen Mordbrennern flüchteten die Väter aus  der verwüsteten Heimat, um nach dem Kriege in fernen Landen auftauchend, einen neuen Herd zu gründen.

Kommt noch dazu, daß in jenen Kriegen die Pfarrhäuser und in ihnen die Kirchenbücher in Flammen aufgingen, so hört jede auf den einzelnen Mann gerichtete Forschung auf.

Da bietet nur eine groß angelegte Forschung, wie z.B. unsere Lenzforschung Aussicht auf Erfolg, indem sie jeden Namensträger, gleichviel wann, wo und in welchen Verhältnissen er auftaucht, auf sein woher und wohin untersucht und fein säuberlich einträgt.

Es zeigen sich dann bald für solche Einzelerscheinungen zeitlich zurückliegende geographische Ausstrahlungspunkte, in denen wir den zerrissenen Leitfaden der Geschichte wieder knüpfen können.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kann man heute noch die Lenze unter der Landbevölkerung und in den kleinen Städten auf ihre verwandschaftliche Zusammengehörigkeit bis in die Ausgangsorte zurückverfolgen, die die Mittelpunkte der einzelnen Verbreitungsgebiete unseres Namens bilden.

Leider ließ die Unvollständigkeit der Adreßbücher diese Verbreitungsgebiete bisher schlecht erkennen. Die Ortsadreßbücher zählen nur die Lenz in den Städten auf und das Mossesche Reichs-Adreßbuch nennt nur jene Stadt- und Dorfbewohner, die ein Gewerbe treiben. Zudem ist es schwierig, auf das Geratewohl an solchen Orten mit der Kirchenbuchforschung einzusetzen.

Dieser Krieg wirft nun durch seine an sich so schmerzvolle Verlustliste helles Licht auf das Gebiet des Familienforschers. Fast durchweg ist bei den Tapferen, die sie nennt, der Geburtsort angegeben und da unser Heer auf die allgemeine Wehrpflicht begründet ist, Stadt- und Landsöhne unterschiedlos umfaßt, so dürfen wir annehmen, daß sich in den Ortsangaben der deutschen Verlustliste die örtliche Verbreitung des wehrfähigen Teils unseres Geschlechts getreu spiegelt.

Heute wird jeder von uns ohne Rücksicht auf seine Bedeutung als Zeitgenosse in soviel Standesamts-, Kirchen-, Heeres- und Steuerregistern geführt, daß das Niederbrennen eines Archivs seine Spur nicht mehr tilgen kann.

Heute kann man auch leichter verfolgen, ob der vor dem Kriege verlassene Wohnort wieder aufgesucht wird, oder wo der Abgewanderte verbleibt und deshalb bieten die deutschen Verlustlisten dieses Krieges so ungeahnt wertvollen Stoff für die Familienforschung.

Wenn wir in ruhigen Friedenszeiten uns auf dem nächsten Familientag wiedersehen, dann soll eine Landkarte die eigenartige Verbreitung unseres Geschlechts zeigen.

Aber die Mühsal aller Forschungsarbeit kann nur Bausteine zur Ehrenhalle unseres Geschlechts heranschleppen. Inhalt und Weihe erhält das stolze Gebäude erst durch die Mitarbeit der Familien.

Damit in späteren glücklichen Tagen unsere Kinder und Enkel erfahren, welch großen Anteil unser Geschlecht am Ringen dieser Zeit hat, müssen wir alle Nachrichten sammeln.

An Alle, die diese Zeilen lesen, geht die herzliche Bitte: Habt ihr einen Sohn, Bruder, Gatten oder sonst einen unseres Namens im Felde oder im feindlichen Ausland, oder habt ihr ihn gar verloren, so berichtet es dem Lenzgärtner.

Meldet alle Auszeichnungen und Beförderungen, stiftet für das Lenz-Archiv Abschriften von Briefen aus dem Felde und der Gefangenschaft und überweist dem Lenz-Archiv Bilder unsrer Krieger und unsrer Toten.

Ende des Auszuges "Der Lenzgarten" Nr. 26 (Dez. 1914)


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