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Unser Lenzgarten - Auszug aus der Ausgabe 28 / 1915 (Seite 157 ff)
« am: Sonntag, der 18. März 2012 15:41:04 »
Unser Lenzgarten
„ Zu gleichem Ziel in Arbeit treu verbunden.“
Unter unseren Jubilaren begrüßen wir in diesem Hefte den Lenzgartenvater und ersten Lenzgärtner Vetter Othmar Lenz, der am 3. November die Schwelle des siebenten Jahrzehntes seines arbeitsreichen Lebens überschreitet. Das und das bevorstehende Einrücken des jetzigen Lenzgärtners zum Heeresdienst mag es rechtfertigen, wenn wir uns heute einmal mit unserm Pflegling prüfend beschäftigen.

Es sind nun acht Jahre dahin, seit im Herbst Othmar den Lenzgarten eröffnete (Anm.: Demnach wurde der erste Band "Der Lenzgarten" wohl 1907 veröffentlicht! ) und die Lenze einlud, im Lenzgarten von sich hören zu lassen. Von Zweig zu Zweig des großen altehrwürdigen Stammbaumes sollte Kunde klingen.

Ein Baum, ein Blätterdach umfing die Niststätten der Lenzsänger, beschattete das Lenzheim von Schreiberbau und die Bauten von Schnepfenthal – der Dramburger und der Wittenberger Ast an einem Stamme.

Die auf den Familientagen geknüpften Beziehungen sollten im Lenzgarten gepflegt und gefestigt werden, und auchdenen, die an der Tagung nicht teilnehmen konnten, sollte sich Gelegenheit bieten, Nachrichten auszutauschen und dem Gefühl der verwandtschaftlichen Sympathie einen regeren Ausdruck verleihen.

An etwa 207 Vettern , als Vertreter der lebenden Geschlechtsverwandten vom Verfasser der Lenz Chronik, Pastor Kypke emeritus, zusammengestellt , gingen die ersten vier Seiten des Lenzgartens mit sechs Familiennachrichten aus dem Jahre 1907 hinaus.

1908 folgten 4 Hefte mit zusammen 36 Seiten, 1909 erschienen nur noch 2 Hefte mit 22 Seiten . Der Lenzgärtner stellte Pflanzzeug und Gießkanne in den Winkel und „mit stillem Grimme“ bat er: Schmeißt die schlimme Base Indo ( Lenz ) ´raus! Jüngere Kräfte würden, so hoffte er, mit glücklicherer Hand das liebe Werk gedeihlich zur Entfaltung bringen.

Der tote Punkt, der in jedem Garten gefürchtete Springkäfer saß gefährdend auf den zarten Reseda = und Salatpflänzchen  und ihn, den Schädling, in einem springenden Punkt zu wandeln, gingen mit selbstlosem Eifer nacheinander die Vettern Fritz Lentz und Wilhelm Lenz an die Arbeit. In den Heften 7, 11, und 12 riefen sie erneut zur Mitarbeit auf, aber alle Lust und Liebe, unterstützt durch die tatkräftige Mitarbeit Vetter Othmars vermochte nichts gegen die böse Base Indolenz.

Ich will nicht aus der Schule plaudern, aber ich kann bezeugen, daß die Bitte um Mitarbeit hinausging an alle, die Titel und Gelehrsamkeit als fähig erschienen ließ, mitteilend die Feder zu führen.
 
Ist unser Lenzgarten zu füllen, „mit allen Beiträgen allgemeinen Interesses, historischen, ethnographischen, naturgeschichtlichen oder poetischen Inhalts, sowie aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst“ wie es das Programm von 1907 wollte?

Zweifellos – wenn er 30000 Leser hätte und die Beiträge  , d.h. Zeit, Arbeit und Erfahrung bezahlen könnte, aber dann hätte unser Blatt neben den vorhandenen Zeitschriften keinen anderen Vorzug als den, von Lenzen geschrieben worden zu sein.  Das ist keine  Daseinsberechtigung.
 
In diesem Blatt  werden Familiennachrichten und die  Ergebnisse der Familienforschung veröffentlicht ; es soll die Grundlage für einen späteren Neudruck der Chronik bilden. Diesen Plan für unser Familienblatt haben wir auf dem fünften Familientage 1908 beschlossen und in § 14 unsrer Satzung festgelegt. Mit dieser Richtschnur habe ich im Frühjahr 1913 die Pflege des Lenzgartens übernommen und mit Absicht darauf verzichtet, mich mit einem Programm den Lesern vorzustellen. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt, schrieb Wilhelm Busch.
 
Mich leitet die durch jahrelange eindringliche Arbeit in der Lenzforschung  gereifte Überzeugung , daß erstens die Geschlechtsverwandtschaft der Lenzsippen, so wie sie in der zu schnell zusammengetragenen Chronik aufgrund von sagenhaften Familienüberlieferungen und Vermutungen behauptet wird, noch nicht bewiesen ist und zum andern , daß Tausende von nachweislichen Sprößlingen der in unserm Familienverband vereinten Geschlechter in aller Welt leben, ohne bisher für die hohen Werte bürgerlicher Familiengeschichte gewonnen zu sein.

Welch fruchtbares Arbeitsfeld für Familienkunde.

Auf  260 Seiten habe ich in den vorliegenden elf Lenzgärten versucht zu zeigen, wie abwechslungsreich und vielseitig die Geschichte eines großen bürgerlichen Geschlechts bearbeitet werden kann, zur Mitarbeit der Leser anregend. Statt der im schon erwähnten Verzeichnis von 1908 genannten 233 großjährigen Söhne , 41 Töchter und 17 angeheirateten Glieder unsres Geschlechts begann ich 1913 mit 329 großjährigen Söhnen , 328 Töchtern und 60 Witwen, welche nach Ausweis der beiden Chronikbände noch lebten und heute geht unser Lenzgarten umschichtig in etwa 2000 Familien unsres Namens.

Alle sind, z. T. mehrfach, gebeten worden durch Ausfüllung eines Fragebogens die Familiengeschichte zu fördern und wertvolle Grundlagen waren das Ergebnis. Aber angesichts der Masse kann es nicht befriedigen. Vettern, die jahraus, jahrein, kostenfrei das Familienblatt erhalten hatten , konnten nicht über sich gewinnen auch nur zu antworten.
 
Dabei erfordert die Mitteilung der erbetenen bekannten Tatschen für den Einzelnen im schwersten Falle das Opfer einer halben Stunde, während  der Lenzgärtner ohne unbescheiden zu sein, sagen darf, daß er seine ganze berufsfreie Zeit in den Dienst der Lenzforschung gestellt hat.

Niemand  soll aus seiner Zurückhaltung heraustreten, aber auch zu verheimlichen gibt es vor der Forschung nichts. Die Angaben, welche die Familienforschung braucht , kann und wird die sich selbst gegen den Willen des Beteiligten beschaffen und die erbetene Antwort erspart lediglich Aufwand von Zeit und Kosten.

Weit hinderlicher aber als diese verständliche Scheu und Zurückhaltung wirkt – um mit Vetter Othmar zu reden- die böse Base Indolenz.

Hundert von Basen und Vettern sind sich bereits bewußt, daß sie ein Recht und alle Ursache haben auf die Geschichte unsres Geschlechts stolz zu sein und lebt in ihnen allen der Wunsch mitzuwirken am Webstuhl unsrer Geschichte. Das offenbart sich so recht, wenn man den Einzelnen darauf anspricht.  Aber noch denkt nicht jeder beim Eintritt eines  Ereignisses daran, es sogleich dem Lenzgärtner, dieser natürlichen Sammelstelle, mitzuteilen und Andere wieder verschieben auf morgen, was sie melden wollten, weil sie glauben nicht geschickt genug zur Mitteilung zu sein.

Wie viele, unendlich viele Tatsachen so der Familiengeschichte entgehen, mag ein Beispiel beleuchten: Im vorigen Jahr wurde von den unzähligen Nachkommen unsres Stammvaters nur ein einziger Lenzsprößlingzur Stammrolle angemeldet ( Nr 14 05 10 Margarethe Lentze ), obwohl die in beiden Chronikbänden zusammengefaßten Lenzfamilien jahraus, jahrein nachweislich 30 bis 35, wahrscheinlich aber mindestens die dreifache Zahl von Lenzkindern zeugen .
 
Solche  Beobachtung darf einen Familienforscher nicht entmutigen , Bürgerliche Familiengeschichte ist nun mal eine junge Wissenschaft und von heute auf morgen kann kein Stamm von Mitarbeitern geworben werden. Das kommt allmählich. Zuerst bei denen, die den Willen nach aufwärts richten, dann bei allen, die sich bewußt werden, wie all unser Leben und Schaffen, Glück und Veranlagung, Krankheit und Hemmnisse letzten Endes bedingt sind durch die Familie, in der wir wurzeln.
 
Soll ich´s sagen? Es ist gut so, daß die oft genannte böse Base des Lenzgärtners so zählebig ist. Noch geht unsre Pflanzung nicht an Stoffmangel ein, sondern im Gegenteil, der Lenzgarten könnte rauschen wie ein Wald, wenn nur unsre Mittel reicher flössen.

Durchschnittlich kostet ein Heft  von 16 Seiten mit zwei oder drei Bildern M. 80,- und ein Doppelheft M. 110,. wenn 300 Hefte gedruckt werden; 100 Hefte kosten nur etwa M. 25.- mehr, und dazu kommt das Versandgeld.

Wir müssen also für dieses Band des Zusammenhalts , für diese Pflege des Familiensinns allein schon die ordentlichen Jahresbeiträge von rund 100 zahlenden Mitgliedern aufwenden.

Um Jedem etwas im Lenzgarten zu bieten, müssen die einzelnen Hefte reichhaltig und wechselnd zusammengestellt werden und das hat wieder zur Folge, daß größere eine einzelne Sippe oder eine wissenschaftliche  Untersuchung behandelnde Aufsätze  leider zerstückelt werden müssen und jahrelang nicht zum Abschluß kommen.

So harrt z.B. die  in Heft 21 bis 24 begonnene Untersuchung: Woher der Name Lenz? sowie die Liste von Ortsnamen mit dem Stamm unsres Namens noch der Vollendung.

Druckreif liegt auch schon eine Arbeit vor über die Entstehung des Faunuswappens, mit vielen Bildern, welche es auf alexandrinische, slavische und keltische Kultidole zurückführen lassen.

Ein andrer Aufsatz beschäftigt sich mit der angeblichen und wahrscheinlichen Abstammung von Joachim Lentze zu Saarmund, seiner Nachkommen und mit ihrem mecklenburgischen Wappen.  Jede dieser Arbeiten allein füllt ein Heft und kann unzerstückelt nur dann gedruckt werden, wenn die daran näher beteiligten Vettern das Zustandekommen von Sonderheften ermöglichen. Wird sich ein Bläuling hierzu nach Friedensschluß aufbringen lassen?
 
Ist also die Arbeit des Lenzgärtners von Stoffmagel niemals zu gefährden, so muß doch die Bitte um Nachrichten ständig wiederholt werden.

Unsre Chronik ist nichts abgeschlossenes, kann es  nicht sein, weil Wiege , Altar und Grab ohne Unterbrechung den Weg der Familie einsäumen.

Oben konnte ich an einer Geburtsanzeige den mangelnden Nachrichtendienst beleuchten, nicht anders versagt er beim Tode.

Bei 8 Vettern setzten uns die Angehörigen in Kenntnis vom Heldentode, während allein die vorliegenden drei Folgen unsrer Verlustliste mindestens 116 Tapfere nannten, die auf dem Felde der Ehre Auge und Mund für immer schlossen. Wie klein ist doch die Mühe , über einen Angehörigen kurz zu berichten, wenn wir dagegen halten , daß bisher  rund 6000 Seiten der amtlichen Deutschen Verlustlisten mit ungefähr 1 440 000 Meldungen vom Lenzgärtner durchgesehen wurden, um den verdienten Ruhm  von 597 Wackeren zu künden, die in Not und Tod des Schlachtfelds unserm Namen Ehre häuften. Es gibt dem gegenüber ein ganz falsches Bild, daß wir bisher nur 16 Eiserne Kreuze melden konnten. Wie groß mag ihre Zahl wirklich sein, wenn uns alle Auszeichnungen berichtet würden.

Welch ehrenvolle Aufgabe für die Mütter und Schwestern unsres Geschlechts.
 
Der Lenzgärtner


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