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Der Lenzgarten, Nr.13/ Juli 1912, Nachruf Ernst Lenz, S. 2-4
« am: Freitag, der 16. August 2013 11:41:38 »
                                 Ernst Lenz

 Ein Mann hat uns verlassen, der vielen teuer war, ein aufrechter Mann. Am 2. April 1911 verstarb im 54. Lebensjahr Professor Dr. Ernst Oskar Lenz, Oberlehrer am Gymnasium zu Elberfeld. Die Todesanzeige ist S. 12 in Nr. 11 des „ Lenzgartens “ enthalten, sein Leben beschreibt der Ergänzungsband der Familienchronik des Lenz-Lentz-Lentze`schen Geschlechts vom Jahre 1908 auf Seite 52 unter Nr. 28 zu 3.

Wie froh feierten wir seine Hochzeit am 27. März 1894 in Berlin!
Ich war dazu besonders von Wiesbaden herbeigeeilt und freute mich an dem sonnigen Glück des fünf Jahre jüngeren Vetters. Mein ältester Sohn war damals 15 Jahre alt; aber alle Bedenken, die sich hätten erheben können, wurden im Entstehen zerstreut beim Anblick des Brautpaares. Sie hat ihn gut gekannt und zu behandeln gewußt, die verehrte Kusine Sophie. Ihre wirtschaftlichen Talent ermöglichten die Führung eines Haushaltes, in dem man sich wohl fühlen mußte; es war  ein Heim, ein gastliches Heim, das freundlich seine Tür öffnete jeder guten Gesinnung, dem Schönen, allem Guten. Der Gipfel des Glücks schien erklommen mit der Geburt der kleinen Käte, des einzigen Kindes! Fast aus jedem Briefe, aus jeder Postkarte des nun verewigten Vetters Ernst leuchtet die Befriedigung  des glücklichen Familienlebens. Wohl sind auch dieser kleinen Familie die schweren Tage nicht erspart geblieben. Aber überall half die gefestigte, klare Lebensauffassung das Schwere zu überwinden, stets war das Kind „ Käte der Sonnenschein unseres Hauses“!

Das habe ich so oft von der Hand unseres lieben Hingeschiedenen geschrieben gesehen, daß ich es als eine kennzeichnende Äußerung seines ganzen Wesens hier glaube wiederholen zu müssen.

Am Sonntag, den 26. März 1911, wurde Käte konfirmiert, am 2. April schon verlor sie ihren treuen Vater! Der Leichenpredigt lag Hiob 1, 21 zugrunde und ergreifend hub sie an : „ Wie schnell hat sich alles entwickelt! So schnell, daß Eure Seelen fast noch in eine wohltätige Betäubung gehüllt sind! Am Sonntag vor acht Tagen saß er noch unter uns im festlich geschmückten Gotteshause – freilich als todkranker Mann  - am Montag mußte er jäh sein Heim verlassen, es kam seine und Eure Passionswoche mit ihren Schmerzen, mit ihren Hoffnungen und Befürchtungen; am Sonntagmorgen noch strahlende Angesichter und frohe Augen - „ es geht viel besser „ - und in der Nacht darauf, da hat sich neu erfüllt ein alter Gesang nachtrauernder Liebe..“ Ein bösartiges Geschwür im Nacken hatte schleunige Operation notwendig gemacht; aber diese hatte nur vorübergehende Besserung gebracht, nicht heilen können.

Was ein Mann wert ist, das ist er den Angehörigen und dann seiner Mitwelt wert! Seinen Angehörigen war Vetter Ernst alles, noch heut` können sie es kaum fassen, daß er von ihnen genommen ist. Was er sonst gegolten hat, dafür nur wenige Beispiele. In dem Berichte über das Schuljahr 1910/11 des Gymnasiums in Elberfeld von Direktor Professor Scheibe stehen S. 23 die folgenden Sätze, die sich auf den Tod des Vetters beziehen:

„ Mit tiefster Erschütterung vernahmen die Kollegen und Schüler die Trauerkunde. Auch in den Kreisen der Eltern und der Bürgerschaft hat die Todesnachricht an mancher Stelle herzliche Teilnahme geweckt. Hat der Verstorbene doch 31 Jahre lang an dem Gymnasium gewirkt und sich während dieser Zeit die Liebe seiner Schüler erworben. Die Herzen aller derer, mit denen er verkehrte, gewann er durch die Lauterkeit seines Charakters, durch vornehme Gesinnung, durch die Liebenswürdigkeit seines Wesens und seine stete Bereitwilligkeit in Rat und Tat. Den letzten Abiturienten ist die Freude an dem glücklichen Gelingen ihrer Prüfungen durch den Tod ihres Lehrers schwer getrübt worden. Sie wissen es, ebenso wie ihre Vorgänger, was er ihnen gewesen ist, nicht nur in seinem gründlichen, nicht immer leichten und bequemen wissenschaftlichen Unterricht, sondern auch im Turnen, Spielen und allen körperlichen Betätigungen...“

 Die harmonische Entwicklung von Körper und Geist war das Ideal des heimgegangenen Vetters. Nicht allein die Konzentration des Geistes auf die Ausbildung in Mathematik und Physik – seinen Hauptfächern - , sondern auch die Erholung der ermatteten Seele durch frohe körperliche Uebungen bildeten seine Sonderart. Damit hat er nachhaltigsten Einfluß naturgemäß auf die rein geistigen Arbeiter gewonnen, sie haben ihm das hoch angerechnet und ihr Leben lang für die Wohltat seiner Lehre gedankt. So hielt beim Abschiede des Geheimen Regierungsrates Scheibe, des langjährigen Direktors am Elberfelder Gymnasium, am 9. April 1911 Herr Rechtsanwalt Köhler eine Rede, deren auf unseren Vetter bezüglicher Teil nachstehend Platz finden mag:

Den Lehrern des Gymnasiums gilt mein Dank,
Ein Wort des Dichters möcht ich variieren:
„ Wohl dem, der seiner Lehrer gern gedenkt!“
Ich grüße hier, die heut in unsrer Mitte,
Gedenke derer, die abwesend heute,
Gedenke wehmutsvoll auch aller derer,
Die heute schon der kühle Rasen deckt
Vor allem eines, der in treuster Arbeit
Der Jahre zweiunddreißig hat gewirkt,
Der unermüdlich seine ganze Kraft
Dem Dienst der Schule zur Verfügung stellte.
Ein tückisch Leiden warf ihn auf das Lager,
Von dem er  niemals sich erheben sollte;
In letztvergangener Woche hat ihn uns
Des Todes Engel allzufrüh entrissen,
Doch sein Gedächtnis lebet ewiglich,
Der Name Lenz wird unvergeßlich sein.
Und wenn man nennt die allerbesten Namen,
Wird seiner von uns allen auch genannt.
Mög` solche  Lehrer stets die Schule zieren,
Dann wird sie wachsen, blühen und gedeihn,
Dann wird der Ruhm, der allbewährte, schöne,
Von Elberfelds Gymnasium nicht untergehn!

Ein Schreiben des Elberfelder Philologenvereins an die trauernde Witwe findet die wärmsten Ausdrücke der Hochachtung und des Trostes, es schließt mit den Sätzen: „ Uns älteren aber, die wir einsamer im Leben werden, will das Wort nicht aus dem Sinn: Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem, ich werde niemals seinesgleichen sehn!“
Eine ausgeglichene Seele hat sich von den irdischen Fesseln befreit; der Eindruck ihres Daseins aber bleibt und wirkt fort zur Vorbereitung für die Ewigkeit.

Dr. Wilhelm Lenz ( 7)