Autor [EN] [PL] [ES] [PT] [IT] [DE] [FR] [NL] [TR] [SR] [AR] [RU] Thema: Der Lenzgarten, Nr.14, Juli 1912,Gedicht Sommerabend am Meer, S.1  (Gelesen 2002 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

  • Offline Bitte einloggen!

  • Nachfahrin des Nanno de Lentsyn
  • *****
  • Beiträge: 324
  • Karma: 174
  • Geschlecht: Weiblich
  • Pommerscher Zweig I
    • www.merz-gynpraxis.de
Der Lenzgarten, Nr.14, Juli 1912,Gedicht Sommerabend am Meer, S.1
« am: Freitag, der 19. Juli 2013 11:47:09 »
Sommerabend am Meer

Purpurn taucht die Sonne hinab in das endlose Weltmeer,
Heilige Dämmerung liegt bald auf Wald und Feld,
Stärker schon duftet Jasmin im Haine, stärker der Flieder,
Leiser schon singt der Fink in den Zweigen sein Lied.
Müde ziehen die Segel dahin über dunkele Fluten
Steuern dem Hafen zu, der vor dem Sturme sie schützt.
Kehre auch du, o Seele, nun ein, nach Stürmen und Drängen,
Ruhe mein Herz, dich aus, da du Frieden ersehnst.
Pochst doch leiser du schon in der Brust, des göttlichen wartend,
Und der Friede, er naht, lächelt glückseligen Gruß.
So wie das Tagesgestirn dort drüben geht zur Rüste
Sterben die Wünsche dahin, findest du Frieden in dir.
Hörst wohl kaum noch schlagen das Lied des sehnenden Bülbüls,
Hörst du wahrlich es noch - brande denn lauter, o Meer.
Rauschet, Wellen, heran, wie  kräftiget doch euer Raunen
Den lebendigen Mut, dem das Dasein gehört.
Rauschet heran, ihr Wasser, zum steilen Strande des Lebens,
Kühlet die brennende Stirn, fächelt mir Linderung zu.
Strebe empor, o Seele, durchschreite die dunkelen Nächte.
Lichter Friede dir winkt, harre des Morgens nur zu. 

( W. L. 9. )