Autor [EN] [PL] [ES] [PT] [IT] [DE] [FR] [NL] [TR] [SR] [AR] [RU] Thema: Der Lenzgarten Nr.12, Sept. 1911, Verbleib des Lutherbechers, S. 8 - 10  (Gelesen 1900 mal)

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Nachrichten über den Lutherbecher in unserer Familie

Laut Familien-Überlieferung war der Becher ein Geschenk Dr. Martin Luthers an seine Schwester Margaretha, welche mit einem Magister Ambrosius Bernds verheiratet war. Sie starb und Bernds verheiratete sich mit einer Ottilie Walthers.

Diese, Witwe geworden, verheiratete sich mit Jacobus Belling. Dieser Ehe entsprang im dritten Gliede Catharina Granzow, eine Tochter von Michael Granzow, und diese verheiratete sich mit Samuel Lenz (Generalsup. In Stendal), welcher von anno 1614 bis 1670 (siehe Lenz- Chronik I Stammbaum, VI, zwischen S. 182 – 183 ) lebte, den Becher und auch einen Ring von Luther, welcher aber bald nach Hamburg gekommen ist, als Erbstücke mitbringend in die Lenzische Familie.

 Zuerst kann es auffallend erscheinen, daß in den 1741 gedruckten Familien- Nachrichten von dem Becher nichts erwähnt wird; allein Tatsache ist, daß er damals im Besitze der Lenzischen Familie war. Denn mein Urgroßvater, Daniel Lenz, welcher von 21.4.1695 bis 26.5. 1768 ( Siehe Lenz-Chronik I S. 205 und Ergänzungsheft I S. 16 ) lebte, empfing den Becher aus Lenzischer Hand, als er, nach dem Majorats-Rechte nach Mitte des vorigen Jahrhunderts Erb-Lehn- und Gerichtsherr des im Besitze der Lenzischen Familie befindlichen Rittergutes Riede, unweit des Petersberges bei Halle, geworden war.
Dieser, mein Großvater, fing an, wie mehrere der Familie, um das Z ihres Stammnamens schärfer zu betonen, sich mit tz, also Lentz zu schreiben,  wobei die Nachkommen geblieben sind, so daß die Lentze mit den Lenzen gleichen Stammes und Geschlechtes sind.

Mein genannter Urgroßvater  kam, nach vollbrachten juristischen Studien und einigen Hofmeisterstellen, nach damaliger Sitte als Auditeur, mit dem Titel Hofrat, nach Calcar bei Cleve, zu dem Kavallerie-Regiment, unter Befehl des Prinzen Friedrich, Markgraf von Schwedt. Hier schrieb er seine satyrische Broschüre: „ Beweis, daß die Westphälinger Christum gekreuzigt haben.“

Eine Unvorsichtigkeit brachte ihn von Calcar weg. Sein Chef beleidigte ihn, und in der augenblicklichen Aufwallung fügte er ihm eine gleiche Beleidigung zu, wurde aber deshalb zu Festungshaft verurteilt und kam nach Cüstrin. Hier lernte er seine nachherige Gattin Emilie Eleonore Hiller, mit welcher er sich 1732 verheiratete, kennen, und erwarb sich die Gunst des damaligen Kronprinzen, späteren Königs Friedrichs des Großen, den sein Vater eine Zeitlang in Cüstrin gefangen gesetzt.

Im Jahre 1731 ward denn auch schon mein Urgroßvater als Kriegs und Domänenrat bei der Kammer in Gumbinnen von Berlin aus angestellt, wo er blieb, bis er, einige Zeit nach 1744, da Ostfriesland Preußisch geworden war, nach Aurich beordert wurde, als Direktor der dortigen Kammer, von welcher er bald der Präsident und damit zugleich Landes-Präsident  der Provinz Ostfriesland ward und bis zu seinem, kurz vor seinem Tode, 1767 erfolgten ehrenvollen Abschied mit Pensionierung und freier Wohnung auf dem Schlosse zu Aurich auch blieb.

Schon oben ist erwähnt, daß der Genannte Erbherr auf Riede und zugleich Besitzer des Lutherbechers geworden war. Durch ihn aber kam es auch, daß dieser Becher eine längere Zeit hindurch aus unserer Lentzischen Familie kam. Mein Urgroßvater ließ ihn nämlich restaurieren mit der gravierten Namens-Chiffre von ihm und seiner Gattin, sowie mit dem eingravierten Worte „Nepoti“ versehen und schenkte ihn so seinem erstgeborenen Enkel, Emilius Schnedermann, dem Kinde seiner Tochter, welche mit Amtmann Schnedermann  in Emden verheiratet war.

Dieser Emilius Schnedermann starb jung, unverheiratet, so daß der Becher seinen Eltern verblieb und nach ihrem Tode dem Gutsbesitzer Kettler in Grimarsum bei Emden zufiel, welcher mit einer Tochter Schnedermanns, Juliana, verheiratet war. Nun begab es sich, daß mein Oheim, meines Vaters Bruder und ältester Enkel des Präsidenten Daniel Lentz, Sohn seines zweiten in Halberstedt bei der dortigen Kammer angestellten Sohnes Sigismund Daniel, geb. 1743 (sein ältester Sohn Ludwig, geb. 1740, starb unverehelicht im Alter), namentlich Carl Ludwig Ferdinand, geb. 1773, gest. 1848 als Superintendent zu Leer die Familie in Ostfriesland besuchte, sich nicht bloß entschloß, um dort zu bleiben, sondern auch, nachdem er 1798 zum Pastor in Pogum gewählt war und dort fungierte, sich 1799 mit seiner Cousine Friederike Auguste Schnedermann verheiratete und so der Schwager Kettlers wurde, welcher den Lutherbecher besaß.-


 Durch dessen Güte kam der Becher in die Lentzische alias Lenzische Familie zurück. Denn als mein Oheim seine silberne Hochzeit 1824 feierte, schenkte sein Schwager Kettler den langersehnten Becher. Mein Oheim hatte keinen Sohn, bis ich, an welchem er von meiner Geburt an zwei Monate nach dem Tode meines Vaters, Referendar Ludwig Friedrich Lentz, geb. Ellrich 1779, gest. Leer, 13. März 187, Vaterstelle vertreten, sein Schwiegersohn wurde, indem ich mich, als Pastor in Osteel, 1832, mit seiner jüngsten Tochter, Christiane Juliane Karoline Lentz, geb. 1809, gest. 1871, verheiratete. Als  unser einziger Sohn Carl Ludwig Ferdinand 1840 geboren wurde, gab mein Oheim und Schwiegervater den Becher in meine Hände, so daß ich Besitzer desselben bin und nach meinem Tode, da mein Sohn 1887 gestorben ist, sein ältester Sohn, Hinrich Gerhard Ludwig Lentz, jetzt Handlungsgehilfe in Nürnberg, ´event. sein Bruder Ludwig Carl Lentz, jetzt ev-luth. Pastor der Iowa-Synode in Amboy (Illinois) in Nord-Amerika, Erbe des Bechers ist.

Mitgeteilt

Durch Ludwig Carl Lentz, geb. in Leer 7. Mai 1807; jetzt, da diese Nachrichten zu Ende geschrieben sind, den 6. August 1894, 87 Jahre alt und seit 1883 deutscher em. Prediger der holländischen ev.- luth. Gemeinde zu Amsterdam.