Autor [EN] [PL] [ES] [PT] [IT] [DE] [FR] [NL] [TR] [SR] [AR] [RU] Thema: Der Lenzgarten Nr. 11, Mai 1911, Gedicht: Lenzhoffen, S. 1 - 2  (Gelesen 1634 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

  • Offline Bitte einloggen!

  • Nachfahrin des Nanno de Lentsyn
  • *****
  • Beiträge: 324
  • Karma: 174
  • Geschlecht: Weiblich
  • Pommerscher Zweig I
    • www.merz-gynpraxis.de
Der Lenzgarten Nr. 11, Mai 1911, Gedicht: Lenzhoffen, S. 1 - 2
« am: Mittwoch, der 03. April 2013 17:43:44 »
                  Lenzhoffen



Der Lenz will kommen, der Löser des Lebens,
Der Brecher des Frostes, der Hoffnung Hauch,
Mit dem Grün in der Runde mit tausend Blumen,
Mit Lerchengejubel – und zu dir auch!

Der Lenz will kommen, doch melden ihn die Stürme,
Des Hagels schimmernde Sleipnirspur,
Bang schauern die Blüten, die schwellenden Knospen,
Kaum sprießt verstohlen die Saat der Flur.

Der Lenz will kommen, schon drängt sich zu Lichte
Verborgenes Leben in Wald und Feld;
Doch schneidende Winde verschüchtern noch immer
Der Pflanzen, der Tiere, der Menschen Welt!

O Sehnen des Herzens, o Sehnen des Lebens
Geduldig harre des kommenden Mai!
Er kommt ja gewißlich, schon regt er die Kräfte,
Bald bricht er auf einmal die Fesseln entzwei.

Dann leuchtet die Sonne, lau wehen die Lüfte,
Entzückend  prangen die Fluren so weit.
Auf jauchzt dein Herz im Behagen der Wonne
Dem Herrscher der irdischen Herrlichkeit.

Willkommen, willkommen  o Gottesbote!
Wir warten dein so lang, so bang;
Tu auf dein Füllhorn in unsern Landen
Und wecke des Herzens friedtröstlichen Klang.

Laß schallen die Lüfte von frischen Stimmen,
Von Lustgeschrei und kerniger Kraft –
Und löse die Herzen mit lindem Leben,
Die tief noch erschauern in kalter Haft!

April 1910, C.W. Loets ( Reepsholt)