Autor [EN] [PL] [ES] [PT] [IT] [DE] [FR] [NL] [TR] [SR] [AR] [RU] Thema: Der Lenzgarten Nr.10, Sept. 1910, Zur Etymologie d. Namens Lenz Teil 3, S. 9-12  (Gelesen 1681 mal)

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  • Nachfahrin des Nanno de Lentsyn
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Woher sollte aber eine größere Zahl von Lenz- Lentz- Lentze- Familien zu der Namensverkettung mit Lentulus gelangt sein, als durch irgendeinen geschichtlichen Zusammenhang mit der Römerfamilie?

 Ein Spiel des Zufalls ist hier kaum anzunehmen. Und wie oft hat nicht gerade die neueste Zeit bewiesen, daß ganz verblaßte, sagenhafte Andeutungen, die seit vielen Jahrhunderten als dem Reiche der Mythe angehörig betrachtet worden sind, doch auf historischem Grunde beruhten? Aus den Königsgräbern von Mykenae ist die Epoche des Trojanischen Krieges, aus den Ruinen auf Candia (Kreta) das Labyrinth des Minotaurus zur Wirklichkeit entstiegen und das biblische Ophir der Königin von Saba aus fernster Sage jetzt als historisch nachgewiesen.

Fehlt uns nun auch die streng historische Geschlechtsfolge seit der Zeit des Cicero, Caesar und Pompejus bis zu unserem Ahnherrn Nanno, so reihen sich die Indizien harmonisch zusammen. Ich vermesse mich nicht, apodiktisch ein genealogisches Fazit verkünden zu wollen, aber ich bitte: Bringt mir den Gegenbeweis!!

Und wer nicht daran glaubt, der zahle sofort einen Taler an unsere neue Familienstiftung, deren Satzung im Entwurfe dem heutigen „Lenzgarten“ beigefügt ist! –

Nehmen wir den Namensursprung des Lenzgeschlechtes im Sinne dieser Ausführungen als erwiesen an, so fragt es sich nun aber:

Was machen wir mit der gewonnenen Erkenntnis?

Welchen Wert könnte sie für uns haben?

Sollen wir, dem hohen Alter des Geschlechts entsprechend, ein Ruhmesmonument errichten, Berge auf Berge türmen, ein Denkmal, wie Hamlet es für Ophelia hätte errichten mögen, einen „Sonnenkratzer“:

„ Singeing his pate against the burning zone
Make Ossa like a wart.” (Shakespeare, Hamlet)

Oder sollen wir als Nachkommen der Römer deren Kriegsgesang unter Rienzi anstimmen: ( Edw. Lytton Bulwer „Rienzi“)

„March, march! Ye are sons of the Roman,
The sound of whose step was as fate to the foeman!
Whose realm, save the air and the wave, had no wall,
As he strode through the world like a lord in his hall;
Though your fame hath sunk down to the night of the grave,
It shall rise from the field like the sun from the wave.
Breeze fill our banners, sun gild our spears,
“Spirito, Santo,Cavaliers!  ( dies war der Schlachtruf des Cola Rienzi)

Blow, trumpets, blow, Blow, trumpets, blow,
Gaily to glory we come;
Like a king in his pomp, to the blast of the tromp,
And the roar of the mighty drum!”

Nein! Lassen wir die Berge stehen, wo sie sind und schonen wir das Kalbfell von Rienzi`s großer Trommel! Ich habe einen besseren Vorschlag:

Wer kennt nicht die unvergleichliche Erzählung unseres größten deutschen Romandichters Ludw. Ganghofer „Die Martinsklause“?
Wer erinnert sich nicht des dramatischen Schlusses, wie Probst Eberwein in dem Aschenhügel von Wazemann`s Haus das Stück eines beinernen Rings schürfte und erschreckend auf das Rätsel starrte, das er aus dem Staube hob?

„Mit der anderen Hand griff er an seine Brust und tastete zitternd, ob die ihm heilige Reliquie seiner Kindheit noch an dem Schnürlein hinge, oder ob er sie nicht verloren hätte, jetzt bei diesem letzten Schritt. Nun hielt er das eine Stück in der rechten, das andere in der linken Hand und seine verstörten Blicke irrten ratlos hin und wider. Die beiden Stücke glichen sich, wie die Hälften eines entzweigesprungenen Reifes – und dennoch nicht! Die eine Hälfte , die er an der Brust getragen, war festes Bein, nur braun vor Alter, mit Runenzeichen auf der Innenseite – die andere war morsch und grau, zernagt vom Moder, daß auf der Innenseite kaum die Spur eines Zeichens sich erkennen ließ. Mit beiden Händen fügte er Stück an Stück; sie paßten zueinander, wie die Hälften eines Ganzen, - und dennoch nicht! Die eine Hälfte zeigte am festen Bein den scharf zersplitterten Bruch – die andere war an den Stellen des Bruches rund gefressen von der Fäulnis.... Waren sie die Hälfte eines Ganzen….. wie wurden sie getrennt? Wie kam die eine auf die Romstraße in Garmischgau, die andere in hundertstündiger Ferne hierher unter die Asche von Wazemann`s Haus?

Und als sie noch ein Ganzes waren …..wem gehörte der beinerne Reif? Wer trug ihn am warmen, lebenden Arme? …..Soll der alte Kampf in mir von neuem beginnen, die alte Qual, die alte ziellose Sehnsucht? nur weil ein unbegreiflicher Zufall meine Sinne erschreckte?........Er eilte der Mauer zu. und aus beiden Händen schleuderte er die Hälften des Ringes hinunter in die Tiefe. Er sah sie fallen, immer schneller und schneller, jetzt errreichten sie den blanken Spiegel des Wassers; zwei weiße Garben sprühten auf, zwei Wellenkreise schwammen ineinander zu einem einzigen, sacht zerfließenden Ring – und wieder glatt und schimmernd lag der See mit seinen grünen Fluten.“  –

Nutzloses Suchen nach verschleiertem Ursprung – Lösung des Rätsels bis zur Gewißheit - Wichtigere Aufgaben des Lebens der Gegenwart – befinden wir uns nicht in derselben Lage mit unserer Frage: „ Woher der Name?“ Also folgen wir dem Beispiel, nehmen wir die wiedergefundenen Hälften des geborstenen Ringes und machen wir: Plumps! Mit beiden Händen: Plumps!


Im unermeßlichen Weltall schwimmt ein Pünktchen: unser Sonnensystem. Und um das Pünktchen kreisen Atome, und  eines der kleineren Atome ist unsere Erde. Und auf dieser Erde gibt es Lebewesen, die nennen sich: Menschen, und jeder von denen dünkt sich gewöhnlich größer als der andere und hält sich beinahe für den Mittelpunkt des ganzen, unermeßlichen Weltalls! Und möchte glänzen mit seinem Namen durch unmeßbare Zeiten! Aber alles vergeht und verschwindet, wie schnell, wie schnell! –
Wie sagt doch noch der große Elegiker Lamartine in seiner herrlichen Schilderung einer Mondscheinfahrt auf dem Golfe von Bajae?

„ Ainsi tout change, ainsi tout passe,
Ainsi nous-mêmes nous passons,
Hélas, sans laisser plus de trace
Que cette barque où nous glissons
Sur cette mer où tout s´efface!”

Und was sagt der phantasiereiche Victor Hugo?

„ Chaque élément retourne où tont doit redescendre,
Láir reprend la fume et la terre la cendre,
L´oubli reprend – Le NOM!”

Wozu sollen wir uns den Kopf  zerbrechen über den Ursprung des Names?
 
„ Eh! Lon la la, gens de village,
Sons mon  vieux chêne il faut danser !”

Othmar Lenz
« Letzte Änderung: Mittwoch, der 03. April 2013 09:00:32 von Hedda Ellen Lenz »