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Der Lenzgarten Nr.10, Sept. 1910, Etymologie des Namen Lenz, Teil 2, S. 7-9
« am: Dienstag, der 19. März 2013 09:27:20 »
Was erzählt uns die römische Geschichte von der Familie der "Lentulus"?

Sie taten sein zuerst hervor bei der Belagerung Roms durch die Gallier, 390 v. Chr.,  bekleideten wiederholt die höchsten Staatsämter, gingen aber, soweit sie geschichtlich genannt sind, in den Bürgerkriegen, teils als Parteigänger des Catilina, teils in den Kämpfen zwischen Caesar und Pompejus, zu Grunde. Wir brauchen uns deshalb dieser Vorfahren noch nicht zu schämen, wenn auch der als Redner und Geschichtsschreiber für alle Zeiten berühmte Cicero den Catilina moralische vernichtet hat und dessen Mitverschworenen Lentulus den Henkertod sterben ließ. Neuere Ge-schichtsschreiber haben versucht, den von einem Cicero für immer gebrandmarkten Catilina weißzuwaschen. Jedenfalls ist Catilina, bis zum letzten Blutstropfen ritterlich kämpfend, als tapferer Ritter gefallen, während sein großer Gegner Cicero, als auch er dann im Bürgerkriege, trotz seiner großen Beredtsamkeit, einem Mächtigeren weichen mußte, sich auf der Flucht in der Sänfte ohne Gegenwehr den Kopf abschlagen ließ!

Was dann weiter aus dem Geschlechte der Lentulus geworden ist, läßt sich nicht nachweisen. Von den drei im „Bellum civile“ untergegangenen Vertretern werden wohl Nachkommen vorhanden gewesen sein. Wahrscheinlich aber waren sie nach den traurigen Erlebnissen „Roma-müde“ gewor-den und sind als ritterliche Krieger in die fernsten Provinzen gegangen, indem sie ( immer auf lateinisch) das Kippling`sche Lied sangen:  ( Rudyard Kippling „ The light that failed“)


„We`ll never come back anymore, boys,
We`ll never come back no more!
We`ll go to the deuce on any excuse,
But we`ll never come back no more!
Oh say we`re afloat or ashore boys,
Oh say we`re afloat or ashore,
But we`ll never come back any more boys,
We`ll never come back no more!”


Wer kann es ihnen verdenken? So ging ihre Spur verloren,

„Heute da, Herr Vetter, und morgen dort,
Wie einen der rauhe  Kriegesbesen
Fegt und schüttelt von Ort zu Ort!“

bis wir Herrn Nanno de Lensyn, Miles, wahrscheinlich als Ritter des Deutschordens, der um jene  Zeit unter dem großen thüringer Ordensmeister Hermann von Salza in höchster Blüte stand, im zweiten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts in Norddeutschland begegnen. Unter Hermann von Salza mag dieser auch den vierten oder unter Kaiser Friedrich II. den fünften Kreuzzug mitgekämpft haben, woraus dann in das Wappen des Lenzgeschlechts die Palmen auf den Helm und der Anker zum Zeugnisse der Seefahrt hinzugekommen sein mögen.

Dem Rittergeschlechte  und – Stande waren die Römer treu geblieben!

Zu dieser Auffassung des Ahnherrn Nanno de Lensyn stimmt auch, neben den Kreuzungspalmen und dem Anker, ganz besonders das Hauptbild des ältesten Wappen des Geschlechtes: der Faunus.
Weist nicht der Faunus fast zwingend auf den römischen Ursprung hin? Wohl ist die Gestalt des „Waldteufels“ auch im griechischen Mythos als „Pan“ und „Satyr“ fast identisch vertreten, aber der Name Faunus ist dem eines uralten Königs von Latium entlehnt, aus dem, nachdem Aeneas dort sein Irrfahrten beendet und eine Königstochter Lavinia geheiratete, der römische Staat hervorgegangen ist, wie die Aeneide es besingt:

„ dum conderet urbem
Inferetque Deos Latio, genus unde Latinum
Albanique patres atque altae moenia Romae.“

Das Faunuswappen wird also dem Lenzgeschlechte von Rom aus traditionell überkommen sein! Wäre das Lenzgeschlechte nordischen Ursprungs, so hätte es wohl kaum den Faun ins Wappenschild gesetzt, viel eher die aus dem Ureise entstandene Kuh  „Audhumla“ der nordischen Mythologie, die ja vielleicht dem heutigen Mecklenburger Wappen als Vorbild gedient haben mag.

Der Vorname, der Familienname, das Wappen in seinen verschiedenen Teilen, die Tradition des römischen Patriziergeschlechtes –
alles deutet auf die römische Herkunft unseres Vorfahren Nanno; bedarf es noch weiterer Indizien? Ich habe deren noch mehr: den Atavismus!

War die Familie Lentulus in Rom ein Zweig der Cornelier, so stammte sie auch von den Scipionen; deren berühmteste waren Scipio Africanus major und Scipio Africanus minor, der Zerstörer von Carthago. Ist nicht auf das Lenzgeschlecht eine afrikanische Ader vererbt? Zählen wir nicht unter unsere jetzigen Mitglieder zwei hervorragende „Afrikaner“? Freilich haben sie sich nicht als Zerstörer mächtiger Städte berühmt gemacht, um sich dann auf deren Trümmer zu setzen, wie Scipio, und die Vergänglichkeit alles irdisch Großen zu beweinen! Nein, als Männer der Wissenschaft und Pio-niere haben sie ihren Weltruf erworben! Ob sie dabei nicht auch Ursache gefunden haben, Tränen zu vergießen? Ich will die Frage nicht untersuchen, um nicht auf politisches Gebiet mich zu verlieren!

Und noch ein anderer Atavismus!

Nach meiner Hypothese können wir  von dem römischen Geschlechte der Lentulus abstammen. Ich schlage im „Georges“ das Wort „Lentulus“ auf, um mich über dessen sprachliche Bedeutung zu orientieren und finde:

„Lentulus : etwas zähe, etwas langsam im Bezahlen“, wobei hinsichtlich dieser Bedeutung auf Cicero verwiesen ist.

„Nomen – Omen“ sagten schon die alten Lateiner und es ist durch aus wahrscheinlich, daß schon dem römischen Patriziergeschlechte der Lentulus die Zähigkeit im Bezahlen eigen war. Finden wir nun diese etwa ererbte Eigenschaft in den uns aus der Chronik bekannten Lenzgeschlechtern       wieder, um auch daraus die Abstammung folgern zu können? Die Chronik liefert zu diesem Punkte keine brauchbaren Anhaltspunkte. Schließen wir aber nach den Erscheinungen der gegenwärtigen Generationen, so wäre unsere Vereinskasse immerhin ein annehmbarer Maßstab. Unsere streng geheime Restantenliste ist mir nicht bekannt. Wenn ich aber  die im „Lenzgarten“ ständig wiederkehrenden liebenswürdigen Erinnerungen an die fälligen Jahresbeiträge beobachte  und das Einnahme-Soll unseres Vereins mit dem Einnahme – Ist vergleiche, so kann ich mich der Wahrnehmung nicht verschließen, daß das Epitheton: „ Etwas zähe, etwas langsam“ auch heute noch am Namen zu kleben scheint und der Rückschluß auf unsere römische Abstammung sich auch in dieser Hinsicht rechtfertigen läßt!

Freilich ließe sich dagegen logisch einwenden,  daß, wenn dieser Erbfehler die Abstammung verrät, dann jedenfalls ganz außerordentlich viele Nachkommen des Geschlechts der Lentulus, mögen sie heißen wie sie wollen, auf dieser Erde wandeln! Am besten wird es schon sein, wenn diejenigen unserer Mitglieder, die etwa noch ein Restchen des dem Namensursprunge anhaftenden Erbfehlers in sich zu verspüren glauben, dieses Restchen schleunigst abschütteln – und damit zugleich unserer Vereinskasse einen Dienst erweisen. Ich will dann gern auf diese Argument in meinem Indizienbeweis verzichten!

Bleibt mir doch immer noch das wichtigste Glied in der Kette der Wahrscheinlichkeitsgründe:  die tatsächliche Erhaltung des Namens Lentulus als Vorname in Verbindung mit dem Familiennamen Lenz!
Aus dem uns durch die Güte des Herrn Geh. Regierungsrates G. Lentze, Osnabrück, in Nr. 9 des „ Lenzgarten“ mitgeteilten „Auszuge aus des Hof – und Regierungs- auch Witthums-Raths Samuel Lenz`  Leben und Schriften“ haben wir erfahren, daß um das Jahr 1652 ein Lentulus von Lenz sich schriftstellerisch hervorgetan hat und unser verehrter Gewährsmann in Osnabrück hat ferner noch mitgeteilt, daß der Name „Lentulus“ in jenen Schriften fünfmal vertreten ist. Spricht diese Kontinuität des Namens Lentulus nicht die deutlichste Sprache zu Gunsten der Abstammung des Lenzgeschlechtes von der gleichnamigen Patrizierfamilie?


Und finden wir nicht auch noch in unserer Chronik, Band II, Seite 28, eines Königl. Preußischen Generalleutnants Robert Scipio Freiherrn von Lentulus Erwähnung getan, der 1787 in Magdeburg verstorben ist? Bei diesem letzteren fehlt allerdings der Familienname Lenz, Lentz oder Lentze, aber der Verfasser jener Notiz, unser verehrter Genealoge aus Nr.7 des „Lenzgarten“ , setzt hier augenscheinlich die Identität der Namen Lentz und Lentulus ohne weiteres voraus und bestätigt damit unausgesprochen den innigen Zusammenhang der Namen und daher zugleich auch die Wahrscheinlichkeit der Abstammung. Denn „ Scipio Lentulus“ ist eine Namenverkettung wie „Cornelius Scipio“, die fast unzertrennlich durch eine Reihe von Geschlechtern die Zusammengehörigkeit der Familienstämme bezeichnet.


« Letzte Änderung: Dienstag, der 02. April 2013 18:27:49 von Hedda Ellen Lenz »