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Familiensinn! (Auszug aus dem Lenzgarten Nr. 23-24 im Jahre 1914)
« am: Sonntag, der 05. Februar 2012 23:14:37 »
Hier ein Auszug aus dem Lenzgarten Nr. 23-24 im Jahre 1914:

Familiensinn

Von einem Lenzvetter, der sich inzwischen als äußerst reger Mitarbeiter den herzlichen Dank des Lenzgärtners verdient hat, ging der folgende Brief ein:

„Es hat mir wirklich Freude bereitet, daß die Lenze sich vereinigten, um fest zusammen zu halten und sich zu unterstützen. Ich denke mir allerdings weniger eine Unterstützung durch Geld, wie eine solche durch Rath und That. – Ich glaube, dass ist viel wichtiger, wenn man sich gegenseitig vorwärts helfen will. Ich stelle mir das so vor, wie es unter Bundesbrüdern einer Burschenschaft üblich ist. Die alten Herren unterstützen die jungen. Sie vermitteln ihnen Anstellungen, erleichtern das Avancement usw. Ein Bundesbruder wird meistens , - seine moralische Würdigkeit vorausgesetzt, - jedem anderen vorgezogen.

Ideal und extrem gesprochen, liegt in diesem Vorgang allein die Möglichkeit die Lenze zu Ansehen und einer gewissen Wohlhabenheit zu bringen.

Wie viele Lenz wird es geben, die in ihrem Berufe tüchtig, nicht die Möglichkeit haben vorwärts zu kommen , weil ihnen die „Verbindungen“ fehlen, während anders benannte Individuen minderwertiger Qualität, aber mit „Verbindungen“ , im Fluge die höchsten Stellen und Ämter erreichen.

Wollen wir uns also als Geschlechtsverwandte zusammenschließen und als eine erweiterte Familie betrachten , dann handeln wir auch jederzeit gegenseitig so, wie es unter Familienmitgliedern Brauch ist. – Selbstverständlich darf eine solche Unterstützung nicht mit unsern Ehrbegriffen in Konflikt geraten. Im Gegenteil: „ehrlich und rechtschaffen“ sei der Wahlspruch eines  Lenz. – Er soll ein Mann sein !

Es besteht zwar zwischen den beiden vorhergehenden Absätzen ein Widerspruch . Derselbe ist aber nur ein scheinbarer, da ich im ersten Absatz von tüchtiger und würdiger spreche, gegenüber unwissend und unwürdig, aber mit Verbindungen. –

Was auch weiter zu erwähnen wäre , ist ein Vereins – vielmehr Familienabzeichen , welches im Knopfloch getragen , bei Damen auch sichtbar als Schmuck angebracht werden kann. –

Es sei daher aus Silber, eventuell mit farbigem Email verziert und so billig, daß sich auch ärmere Geschlechtsverwandte dieses „Erkennungszeichen“ anschaffen können.-

Eine  Informationsstelle , um gegen Betrug und Schwindel geschützt zu sein und Unterstützungen nicht an Unwürdige zu verschwenden, ein Stellenvermittlungsbüreau, Krankenverein (Landaufenthalt, Kuranstalten usw.) Versicherungsanstalt, Darlehns = und Sparkasse usw., sind weitere Institutionen, die angestrebt werden sollen; alle Beamtenstellen mit Namensvettern besetzen. Wievielen wird damit schon geholfen.

Das ist in großen Zügen dargestellt, wie ich mir unsere Familieninstitution ausgebaut denke. – Wenn jeder Lenz das Bestreben hat seine Geschlechtsverwandten wirklich zu unterstützen und sie weniger als Geschäftsobjekte betrachtet, kann vielleicht das alles erreicht werden.“

Man braucht gar nicht alle Wege des Vetters für gangbar zu halten und wird doch Freude empfinden über sein Zukunftsbild.  Wie können wir uns schon heute als Lenze bewähren? Noch sind wir wirtschaftlich schwach, noch sind es Wenige, die nach ihren Kräften mithelfen am Werke, aber die Zahl der Lenze ist groß, ist ständig am Wachsen und mit der Zahl wächst unsere Verpflichtung.  Denn bestätigen wir keine Werke der Liebe, so ist unser Familienverein eitel Selbstgefälligkeit. Dabei soll stets die Art, wie wir wirken, uns als Lenze, als Glieder eines Stammes ehren. Wer nur um des Ansehens seiner Person willen von seinem Überfluß abgibt, wer um des Geldes willen sich beim Nächsten anbiedert, der soll uns gestohlen bleiben. Nach meinem Empfinden wäre das nicht lenzisch.

Es ist ja gar nicht einmal unbedingt das Geld, was wir brauchen. Da bindet manch´Redlichen die Verpflichtung gegen seine Leibesverwandten. Es sind viele Wege, wenn wir helfen wollen. Da würgt sich ein kleiner Heidebauer schlicht und recht durchs Leben
Zitat
„mein Mann und ich hatten so lange gedient und hatten uns so schön Geld gespart und haben uns voriges Jahr hier diese Stelle gekauft; nun kam doch dieses Jahr die Krankheit mit mir, ich habe den ganzen Herbst gelegen, nun bin ich soweit wieder gesund, nun ist wieder die Schweinepest ausgebrochen…“ und vier Kinderchen wollen gekleidet sein.

Zitat
Da ist ein Handwerksmeister auf dem Lande am Niederrhein und will den Sohn ( Tischler) auf eine gute Fachschule schicken. Wer nimmt ihn in die geeignete Stadt?

Zitat
Da sitzt ein rechtschaffener und bei seinen Mitbürgern angesehener Vetter in Ostpreußen: seine Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen ist gut und es fehlt nie an Arbeit, aber der 74 jährige Greis hat Anderen über seine Kräfte geholfen , die Raiffeisen- Genossenschaften haben ihm Kunden entzogen und nun sucht er seit Jahren vergeblich, wie er sein lebensfähiges Werk aus den müden Händen gebe, ehe er und sein Werk zusammenbrechen.

Aus falscher Scham wenden Sie sich gar nicht immer direkt an uns, aber Verwandte , die helfen möchten und doch nicht aus und ein wissen , die erhoffen Heil vom großen Familienverein der Lenz- Lentz – Lentze.

Unser Vorstand hilft gerne mit Rat und Tat, soweit er kann, aber sicher findet jeder Fall Einen in unsrer großen Lenzgemeinde, dessen praktische Unterstützung wertvoller und willkommener ist als das rollende Geld.

Andere Briefe fallen mir ein:

Zitat
„Da mir meine engere Familie im Mannesstamm erlischt, so hat meine Zugehörigkeit zum Familienverein keinen Zweck und ich bitte mich aus der Liste zu streichen.“
Nehmt es mir nicht übel, ich bin derselben Lage, ein letztes Glied in einer langen Kette, aber mir ist es ein seelisches Bedürfnis meine Ahnenreihe als Vorbild für die Träger meines Namens abzuschließen und die Pflichten, die er mir auferlegt zu übertreffen. Es ist jedem möglich, sich ein Denkmal zu setzen und sei es durch einen  Baustein zu unsrer geplanten Familienstiftung.

Nur ein Prozent vom hinterlassenen Vermögen! Das kann keines Erben Rechte empfindsam schmälern und doch könnten wir in kurzer Zeit mit solchen Bausteinen einen Tempel errichten, ebenso groß, ebenso prächtig wie die Stiftungen eines Carnegie, aber ohne Gleichen als Ehrenbau unsres Namens Lenz.
            
Der Lenzgärtner


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