Autor [EN] [PL] [ES] [PT] [IT] [DE] [FR] [NL] [TR] [SR] [AR] [RU] Thema: 5. Lenzgärtner: Dr. Friedrich Lenz (1918-1920) - Ausgaben 34 - 39  (Gelesen 2984 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

  • Offline Bitte einloggen!

  • Redaktion Lenzgarten
  • *****
  • Beiträge: 1529
  • Karma: 419
  • Geschlecht: Männlich
  • Hamburger Seitenzweig
    • LENTZ-CHRONIKEN
5. Lenzgärtner: Dr. Friedrich Lenz (1918-1920) - Ausgaben 34 - 39
« am: Sonntag, der 03. März 2013 01:06:29 »
Im Jahr 1918 wurde dann am 2. Mai der fünfte Lenzgärtner vom Vorstand des Familienvereins eingesetzt: Dr. Friedrich Lenz

Offiziell als Nachfolger des dritten Lenzgärtners Ernst Lentz aus Berlin - der stellvertretende Lenzgärtner, der immerhin vier Ausgaben in nur zwei Jahren begleitet hat, wurde damals scheinbar nicht mitgezählt.

Wir zitieren hier aus "Der Lenzgarten", Ausgabe 34 aus dem Jahr 1918, in welcher der neue Lenzgärtner vorgestellt wird.

(Der Lenzgarten, 1918, Ausg. 34, S. 243 ff)

Ein neuer Lenzgärtner!

Kaum etwas anderes konnte so einschneidende Folgen für unseren Familienverein zeitigen, als der am 8. Juni 1916 erfolgte Heimgang von Ernst Lentz 75 11 27.

War er doch wie kaum ein zweiter unseres Kreises der geborene Lenzgärtner. Wissen und Neigung verbanden sich bei ihm zu diesem Amte, daß es in absehbarer Zeit wohl Niemandem glücken wird, ihn zu erreichen.

Als nun auch noch seine Gattin, die mit dem hinterlassenen Material ihres Gatten vertraut war, der gleichen tückischen Krankheit erlag, standen wir vor der Frage: was soll nun werden?

Jedermann wußte, daß der Lenzgarten, wenn nicht das einzige, so doch das festeste Band ist, das uns zusammenhält.

Da erbot sich nun der Unterzeichnete zur Uebernahme des Lenzgärtner-Postens (im Ehrenamt) und am 2. Mai betraute ihn ein Beschluß des Vorstandes, der bei Vetter Ernst Lentz 52 02 06 in Moabit tagte, mit der ferneren Leitung des Lenzgartens unter Uebergabe des gesamten Materials an Chroniken, Heften und Akten, soweit solche nicht in den Bereich des Vorsitzenden, Schriftführers und Schatzmeisters fallen.

Seine Befähigung bleibt weit hinter der seines Vorgängers zurück und schon mit diesen Zeilen bittet er dringend um gütige Nachsicht.

Kurze Vorstellung: Friedrich Lenz (58 09 09 in Berlin), Sohn des Kunstverlegers und Turn-Buchhändlers Gustav Friedrich Lenz 30 06 25 und seiner Gattin Rosa, geb. Kloppe 36 02 20, gehört dem neumärkischen Ast und dem Friedeberger Zweig (der bisher in der Chronik fehlt) an.

Wollte Medizin und Naturwissenschaften studieren, mußte dies aus finanziellen Gründen aufgeben, wurde Berufs-Brandmeister, nach sehr schwerer Verwundung Invalide, Wiederaufnahme des Studiums, Dr. med., seit 1883 herausgeber des "Norddeutschen Feuerwehrmann" (Organ des preußischen Landes-Feuerwehr-Verbandes), seit langen Jahren Stadtverordneter und Direktor der Danziger Hausbesitzer-Bank (im Ehrenamt).

In zweiter Ehe (die erste war kinderlos) 00 12 31 verheiratet mit Else, geb. Sutheim, 76 01 06 in Essen. Einziges Kind: Marie-Juliane 01 11 17 in Danzig-Langfuhr.

Der neue Lenzgärtner wohnt in seinem "Gartenhause" Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 17 (Fernruf: 1592) und würde sich freuen, dort gelegentlich den einen oder anderen Vetter - namentlich der ost- und westpreußischen Linie - begrüßen zu dürfen.

Seit 36 Jahren Herausgeber und Leiter einer Fachzeitung hofft er, bei vorhandenen guten Willen sich allmählich in diese, ihm neue Sache einarbeiten zu können, aber nur, wenn ihm von Seiten aller Lenzgarten-Leser nicht nur Interesse entgegen gebracht wird, sondern wenn jeder, der´s noch nicht tat, ihm für´s Archiv und Quellen-Material kurz seinen Stammbaum mit Geburts- und Todes-Tagen nebst Ortsangaben aller erreichbarer Verwandten mitteilt.

Es ist nämlich nach Mitteilungen Bestinformierter (auch des bisherigen Lenzgärtners!) noch recht viel zu berichtigen, was bisher auf oft recht zweifelhaften Grundlagen aufgebaut wurde, wo der Wunsch nicht selten der Vater der beabsichtigten Tatsache war.

Mit dieser Hoffnung - möge sie keine trügerische sein! - schließt alle Vettern grüßend der neue Lenzgärtner

Dr. F. Lenz 58 09 09


          visitors can't see pics , please You are not allowed to view links. Register or Login or You are not allowed to view links. Register or Login

Der Anfang - und der Schluss dieses Artikels wurde wohl noch von seinem (vertretungsweise) Amtsvorgänger verfasst. Deshalb auch die "dritte Person" in der Erzählform. Den Mittelteil - die eigene Vorstellung - hat Dr. Friedrich Lenz offensichtlich selbst verfasst, denn hier wechselt der Stil plötzlich in Richtung "Kasernenhof" (Ab "Kurze Vorstellung"). Später (Der neue Lenzgärtner wohnt in seinem....) wird der Ton wieder höflich und einladend, so dass wir wieder von You are not allowed to view links. Register or Login - oder einem Vorstandsmitglied des Vereins - als tatsächlichem Autor ausgehen dürfen.

Bereits in der nachfolgenden Ausgabe - die allerdings erst im Jahre 1920 herauskam - kamen erste kritische Anmerkungen von diesem neuen Lenzgärtner.

Wie wohl meist, wurde von Seiten der Vettern und Basen nicht das selbe Interesse dem Familienverein entgegen gebracht, wie es der Lenzgärtner von seinen "Schäfchen" erwartet hätte. Darüber hinaus lebte man in bewegten Zeiten, und so war weder Zeit, Geld - und wohl auch nicht das nötige Fachwissen - vorhanden, um häufigere Ausgaben des Lenzgarten - oder gar an eine Überarbeitung der Chronik - zu denken.

Hier jetzt das Vollzitat seines Beitrages - wie bereits sein letzter Artikel in fast schon zackig-preußisch-militärischen Ton - mit welchem er die Leserschaft zur Mitarbeit "aufrütteln" wollte.

(Der Lenzgarten, 1920, Ausg. 35, S. 254 ff)

Die Ausgestaltung der Chronik


dürfte eine der Hauptarbeiten unseres Familienverbandes vorstellen. Wir wissen, daß man nicht überall in unseren Kreisen mit der heutigen Fassung völlig einverstanden ist und daß sich gewichtige Stimmen erhoben haben gegen die - sagen wir einmal: romantische Art, in der Brücken geschlagen wurden zu Familien, die den Namen Lenz führen, ohne daß auch nur eine dokumentarisch festgelegte Verbindung wirklich nachgewiesen werden konnte.

Dies allein bedingt schon eine kritische Sichtung des bisher zusammengebrachten Materials, für die aber leider zur Zeit weder Zeit, noch Geld, noch die geeignete wissenschaftlich vorgebildete Kraft, die sich dieser gewaltigen Arbeit unterziehen könnte, vorhanden ist.

Dennoch könnte jederzeit und von jedem von uns manches Bemerkenswerte und die Allgemeinheit Interessierende im Lenzgarten mitgeteilt werden, wenn die immer mehr sich ausbreitende Schreibfaulheit (nennen wir das Kind doch beim rechten Namen!) dies nicht in so sehr vielen Fällen verhinderte, wo keine Abhaltung durch schwere Berufspflichten oder durch gesundheitliche Störungen - die oft nur vorgeschoben werden und nur in einigen wenigen Fällen tatsächlich vorhanden sind - dies verhindern.

Schreibt wirklich der eine oder andere etwas (ich spreche nur aus den letzten zwei Jahren, in denen ich den Lenzgarten leite), so sind dies sehr gut gemeinte Gedichte, die aber in einer Fülle einliefen, daß bei Abdruck eines derselben die Verfasser aller anderen sich naturgemäß gekränkt gefühlt hätten, denn Poeten haben ein ganz besonders fein konstruiertes Ehrgefühl und Empfinden für wirkliche oder angebliche Zurücksetzung.

Nur war von den Herren Dichtern kein einziger so heiß von der Muse geküßt, daß er turmhoch über die anderen hervorragte: wir haben daher die Betreffenden immer gebeten, ihre Feder dem Lenzgarten zur Prosa-Schilderung von Erlebnissen zur Verfügung zu stellen.

Leider scheint uns das übelgenommen zu sein, denn "eisiges Schweigen" war die Antwort.

Und doch dürfte es wohl keinen Menschen geben, der nicht in seinem Leben irgend etwas erlebte, was mitteilenswert wäre. Namentlich die Jetztzeit, die so manchen Lebenslauf ändert, die Verhältnisse schafft, die früher geradezu unmöglich waren, ist für derartige Schilderungen so günstig, wie irgend nur möglich.

Ich könnte aus meinem vielbewegten Berufsleben auch allerlei erzählen und möchte nicht den Vorwurf hören: "Du verlangst von anderen, was Du selbst nicht tuest!"

Deshalb will ich  in der nächsten Nummer des Lenzgartens einen kleinen Ausschnitt aus meinem Leben schildern und hoffe, daß es mir nicht als eine Selbstverherrlichung ausgelegt wird, wenn ich das jahr 1919 schildere, in dem ich als Mitbegründer und Senior der Studenten-Kompagnie Danzig-Langfuhr noch einmal den Schießprügel auf die Schulter nahm.

Der Lenzgärtner



Aus seinem "kleinen Erlebnisbericht" wurden dann beinahe 4 Ausgaben, in denen neben seinen Kriegs- und Kameradschaftserlebnissen kaum noch Platz war für andere familiäre Nachrichten. Sein Wissen über die Familiengeschichte blieb in der Tat sehr weit hinter seinen Vorgängern im Amte des Lenzgärtners zurück - was man an sehr vielen Kleinigkeiten erkennen kann.

1) Es beginnt mit seinen Angaben zu seinem eigenen Zweig - den von ihm benannten "Friedeberger Zweig" - am "Neumärkischen Ast", die nicht in den Chroniken enthalten sind.

Da im Jahre 1918 die Bände der Chronik schon seit 10 - bzw. 14 - Jahren verfügbar waren, kann man (insb. als Nachfahre dieses Zweiges) leicht feststellen, dass Kypke den "Friedeberger Seitenzweig" in Bd. II, S. 190 (beim 3ten Sohn "Martin") benannt hat. Dieser Seitenzweig entstammt auch nicht dem "Neumärkischen Ast" (nach 1440 ausgestorben), sondern dem "Neumärkischen Reetzer Ast", der am "Neumärkischen Adelsstamm" entsprossen ist, also auf der - wie wir heute sagen - "Reiner-Linie".

2) Ihm war zum einen scheinbar nicht bewusst, dass es seit über 10 Jahren einen Beschluss des Vereinsvorstands gab, nach der zwar in den Lenzgarten-Ausgaben eine Art "Fortschreibung der Chronik" erfolgen sollte (die dann irgendwann sicher auch wieder als gebundenes Buch veröffentlicht würde). Weiterhin gab es auch ausreichend Denkschriften in den vergangenen Lenzgarten-Ausgaben, aus denen sich leicht ableiten ließ, dass man die "nicht vollendet nachweisbaren Brücken in den beiden Chronikbänden" ruhen lassen - quasi sie als Tatsachen anerkennen - wollte.

Man war sich so weit einig, da man ja von Kypke selbst den Brief vom 19.3.1907 kannte (da auch in Ausgabe 29 - März 1916 - des Lenzgarten veröffentlicht), in welchem er erklärte, warum es für manche Zusammenhänge keine Urkunden mehr gab.

Sie wurden seinerzeit aus dem Lenz-Lentz-Lentze-Archiv an einen befreundeten und weithin berühmten Chronisten - Diakonus Steinbrück - ausgehändigt (leihweise), damit dieser für den Verein den Stammbaum des alten Adelsstammes erstellen konnte. Dieser starb jedoch im Verlaufe der Arbeiten unvermittelt, und der Familienverein verabsäumte es, unmittelbar die übergebenen Urkunden und Dokumente wieder zurück zu fordern. Als man dies dann nach einiger Zeit tat, waren die Urkunden verschwunden. Kypke selbst mutmaßte, dass sie vermutlich von der Familie bei der Auflösung der Wohnung dem Trödel anheim gefallen sind.

Dies wiederrum bedeutet, dass die - von "gewichtigen Stimmen" - betitelte Romantik im Grunde gar nicht so romantisch war. Manche Daten wurden ursprünglich durchaus von Urkunden abgelesen, die jedoch später verloren gingen. Bei anderen Dingen hat sich Kypke dann auf Notizen verlassen, die dieser befreundete Genealoge in "ledergebundenen Folianten" hinterlassen hatte, und hat Daten dort übernommen, wo sie mit eigenen Forschungsergebnissen übereinstimmten.

3) Schlussendlich muss man noch anmerken, dass der fünfte Lenzgärtner scheinbar auch wenig über die Stammlistennummer wusste, denn er vergab in seiner eigenen Vorstellung seiner zweiten Frau plötzlich eine "eigene Stammlistennummer", wo doch fast 33 Ausgaben lang immer wieder veröffentlicht wurde, dass "eingeheiratete Frauen die Stammlistennummer ihres Mannes mitführen".

Fazit: Wir wollen das Engagement von Dr. Friedrich Lenz nicht wegen seiner mangelnden Sachkenntnis - die er schließlich selbst auch einräumte - schmälern. Immerhin war überhaupt jemand bereit, dieses Ehrenamt in schwierigen Zeiten zu übernehmen.

Wer sich jedoch von den Ausgaben des Lenzgarten ab Nr. 36 noch irgend etwas Erhellendes erhofft hatte, wird vermutlich enttäuscht werden. Es mag auch den unruhigen Zeiten geschuldet sein, dass der Sinn und Zweck unserer Familienzeitschrift in diesen Jahren weniger dem Transport von Familiennachrichten diente, als den Kriegserlebnissen Einzelner.

Insbesondere die Tatsache, dass der wohlverdiente Schatzmeister Ernst Lentz in der Ausgabe 38 noch anmahnt, dass bitte die Vereinsbeiträge zu überweisen wären (da in der Vereinskasse "Ebbe herrscht") lässt darüber staunen, dass der Lenzgärtner Dr. Friedrich Lenz in diesen mageren Zeiten einen Lenzgarten nach dem anderen veröffentlicht - und versendet - in denen außer seiner eigenen "Kriegsgeschichte" kaum etwas familienrelevantes enthalten ist. Lebensbilder von verstorbenen Familienangehörigen beschränken sich auf deren Verdienste "im Felde" oder "militärische Befähigungen". Über den Menschen erfährt man jedoch nichts.

Monzetti (HsZ19640825)


Themenstrang zur "Vereinsgründung": You are not allowed to view links. Register or Login